DDR-Fluchthelfer erinnert sich an Tunneljahre

Hasso Herschel war einer der erfolgreichsten und berühmtesten Helfer für DDR-Flüchtlinge. Über 1.000 Menschen, die mit dem sozialistischen System unzufrieden waren, verhalf er auf vielen Wegen zusammen mit befreundeten Helfern in den Westen. Er wird von seinen drei Tunnelbauten unter der Bernauer Straße erzählen, von denen der Tunnel 29 der bekannteste ist.

Einführen in das Thema Tunnelfluchten wird Dietmar Arnold, Vorsitzender des Vereins Berliner Unterwelten. Er wird über gescheiterte und geglückte Fluchten durch den Untergrund sprechen. In den historischen Gewölben der ehemaligen Oswald-Berliner-Brauerei wird ein im Originalmaßstab nachgebauter Fluchttunnel zu sehen sein.

Treffpunkt für die Veranstaltung ist die Brunnenstraße 142. Die Veranstaltung beginnt um 10.30 Uhr, Treff ist zehn Minuten vorher. Die Veranstaltung ist nicht barrierefrei. Der Eintritt ist frei. Eine verbindliche Anmeldung unter 0157 37 644 065 ist aufgrund des begrenzten Teilnehmerzahl zwingend erforderlich.

Zwei Dokumentarfilme zur Stadtsanierung

Filmabend OPZ
Foto (c) Sulamith Sallmann

Filmkurator Florian Wüst erläutert und zeigt zwei Dokumentarfilme von Wolfgang Kiepenheuer aus den Jahren 1966 und 1975. Anschließend Diskussion. Die Filme beschäftigen sich dem europaweit größten Sanierungsgebiet, das heute als Brunnenviertel bekannt ist. Damals wurde vom Sanierungsgebiet Wedding gesprochen. Rechts und links der Brunnenstraße wurde ein kompletter Stadtteil abgerissen und für 20.000 Menschen neue Wohnungen geschaffen. Heute verläuft die Beurteilung zwischen „Fehler Flächensanierung“ und „Vorbild gemeinwohlorientierter Wohnungsbau“. Die Filme zeigen, wie die Diskussionslinien damals verliefen, als die Sanierung im vollen Gange war.

Termin: 15. Januar, um 20 Uhr im Olof-Palme-Zentrum

Geschichtscafé: Spielen früher und heute

Geschichtscafe
Geschichtscafé Nummer 4 zum Thema Spielen. Grafik: Anno erzählt

Am 4. Dezember fragen wir Kinder, wie sie heute wirklich spielen. Sind sie die ganze Zeit am Handy oder fällt ihnen noch mehr ein? Und wie wurde früher gespielt? Senioren erzählen, von den Spielen ihrer Kinderzeit. Bei diesem Treffen der Generationen können beide Seiten von einander lernen.

Ort: Jahresringe e.V., Stralsunder Straße 6, 13355 Berlin

Termin: Dienstag, 4. Dezember, 15 Uhr

Stadtplaner würde heute Anwohner befragen

Heinrich Suhr
Stadtplaner Heinrich Suhr. Foto: Sulamith Sallmann

„Ich würde heute die Menschen fragen“, sagt Stadtplaner Heinrich Suhr, nachdem die rund 70 Zuhörer beim dritten Geschichtscafé wissen wollten, ob er das Brunnenviertel wieder so planen würde, wie er es vor fast 60 Jahren tat.

Heinrich Suhr war in den 1960er Jahren wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität, die die Ausschreibung des Senats für das Flächensanierungsprogramm Brunnenstraße gewonnen hatte. „Möglicherweise haben wir gewonnen, weil wir gute Vorarbeiten geleistet hatten. Als Uni hatten wir viele Studenten, die von den Professoren bestimmte Aufgaben erhalten hatten.“ Diese Manpower – wie es heute heißt – könnte heute ein privates Architekturbüro nicht aufbringen. Außerdem haben er und seine Kollegen trotz des Mauerbaus 1961 weiterhin von der „Nähe zum Alexanderplatz“ gesprochen. Faktisch war das Brunnenviertel ab 1961 eine Randlage geworden, „mancher Westberliner wusste gar nicht, wie es zu erreichen war“, erinnert sich Heinrich Suhr.

Menschenmenge
70 Teilnehmer beim dritten Geschichtscafé 2018. Foto: Sulamith Sallmann

Das Erzählcafé startete um 11 Uhr an der Swinemünder Brücke mit einer Führung. Christian Kloss vom Verein Urbanophil erklärte anhand prägnanter Beispiele, worum es bei der Sanierung ging. Dadurch, dass die Sanierung über Jahrzehnte lief, ließ sich bei dem Spaziergang gut zeigen, wie sich auch stadtplanerische Vorstellungen bis zum offiziellen Ende 1992 der Gebietssanierung änderten.

Kurz nach 12 Uhr trafen die Zuhörer im Olof-Palme-Zentrum ein und fast übergangslos ging es weiter mit Fragen der Teilnehmer. Doch zunächst wollte Heinrich Suhr wissen, wie viele von den Menschen im Saal im Kiez wohnen. Die Hälfte hob die Hand. Interessant dabei, dass viele erst vor wenigen Jahren ins Brunnenviertel gezogen waren. Vielleicht ein typischer Befund für den Stadtteil, der in seiner Geschichte des öfteren einen Austausch der Bevölkerung erlebte.

Heinrich Suhr erklärte, dass er als Stadtplaner nicht völlig frei agieren konnte. Es gab Vorgaben durch Bundesgesetze, die zu Wohnungen mit großen Balkonen und vielen Parkhäusern führten. „Das war schon in Ordnung, auch wenn es uns das Leben schwer gemacht hat. Vor allem bei den Küchen mussten wir immer wieder nachplanen.“ Das großzügige Planen führte auch dazu, dass die Zahl der Einwohner sich mindestens halbieren würde. Ein kurzes Erschrecken war im Saal zu spüren als Heinrich Suhr sagte, dass er vorgehabt habe, um die Zahl der Einwohner zu erhöhen, den Humboldthain teilweise zu bebauen. Doch dazu kam es nicht.

Christian Kloss
Christian Kloss von Urbanophil erklärt die Ziele der Sanierung. Foto: Sulamith Sallmann

Natürlich interessierte auch die Frage, ob das Ergebnis nun wirklich den Abriss der wilhelminischen Altbauten rechtfertigte. Heinrich Suhr verwies darauf, dass es nicht leicht gewesen sei, Gewerbe unterzubringen – etwa in der Ackerstraße, wo heute der Edeka ist. Da habe man Widerstände überwinden müssen und ein solche Mischung zu bauen, habe man nicht überall geschafft. Außerdem habe er auf die Architektur nur wenig Einfluss gehabt, ihm habe ein Bauen nach Vorbild der Moderne wie im Afrikanischen Viertel vorgeschwebt. Sechs Etagen habe man angestrebt, weil dann ein Fahrstuhl verpflichtend war und die wollte er für die künftigen Bewohner haben. Über acht Etagen hätten wieder andere Vorschriften gegolten, so dass es nur bei dem einen Hochhaus am U-Bahnhof Voltastraße blieb. „Gelungen ist die Blockbebauung durch Architekt Kleihues an der Wolliner Straße Ecke Bernauer Straße“, sagt der Stadtplaner über die tatsächlich gebauten Häuser. Ihm hatten in den 1960er Jahren Terrassenhäuser vorgeschwebt, sie wurden aber nicht verwirklicht.

Und noch einmal die Nachfrage, ob er heute wieder so planen würde. Ob er Fehler sieht? „Da sitzt doch eine Studentin im Publikum. Ich würde das heutige Bauen der neuen Generation überlassen“, sagt der 85-jährige. Doch es wird nachgehakt, bis er schließlich einräumt, es sei nicht gut gewesen, über die Köpfe der Menschen hinweg zu sanieren. „Damals wussten alle, im Wedding kann man still und leise sanieren, da gibt es keine Proteste“. Und weiter realistisch: „Der Wedding galt als alt und dumm.“ Heute würde er auf Beteiligung setzen.

25. September 2018

Geschichtscafé: Stadtplaner Heinrich Suhr

Brunnenviertel
Die Stadt als Ganzes im Blick. Stadtplanung in den 1960er Jahren. – Foto: Andrei Schnell

Geschichtscafé mit Führung und anschließendem Gespräch mit Zeitzeugen Heinrich Suhr

Professor Heinrich Suhr ist einer der Stadtplaner, die in den 1960er Jahren das damals „Sanierungsgebiet Brunnenstraße“ genante Brunnenviertel planten. In der Geschichtswerkstatt „Anno erzählt“ spricht er am 16. September (Sonntag) im Olof-Palme-Zentrum über seine damaligen Hoffnungen, die er mit der Flächensanierung verband. Als Auftakt führt der Stadtplaner Christian Kloss durch den Kiez. Treffpunkt ist um 11 Uhr vor dem Vorortbüro des QM in der Swinemünder Straße 64.

Titel: „Das Brunnenviertel als Experimentierfeld für die Stadtplanung
|> Führung und Gespräch

Geschichtscafe: Von Übeltätern

Nachgestelltes historisches Foto. Lustig
Im zweiten Geschichtscafé geht es um Übeltäter im Brunnenviertel.
Geschichtscafé als Spaziergang am Sonnabend, 23. Juni, um 20 Uhr. Treffpunkt: AEG-Tor

Bei unserem zweiten Geschichtscafé müssen die Teilnehmer sich ihre Stärkung erst verdienen. Zunächst beginnt der Termin mit einem etwa anderthalbstündigen Spaziergang durch den Kiez. Start ist am Beamtentor der AEG in der Brunnenstraße 111. Nach einigen Stationen, an denen von Machenschaften – längst nicht nur Mord und Totschlag – vergangener Zeiten erzählt wird, endet die Tour am Gartenplatz. Dort wird dann eine Erfrischung auf die Gäste warten.

Gesprochen wird über das „Blutgerüst“ auf dem Galgenplatz und darüber, was drumherum geschah. Über den berühmten Mordfall Lucie in der Ackerstraße wird berichtet. Und auch weniger bekannte Straftäter werden vorgestellt.

Durch den Kiez führen werden Sulamith Sallmann und Andrei Schnell. Das Geschichtscafé will mit dem Spaziergang zu einem Gespräch unter den Teilnehmern – wie in einem Caféhaus – anregen.

Geschichtscafé: Alte Karten und Stadtpläne

Flyer Geschichtscafé
Einladung zum Geschichtscafé: Karten und Stadtpläne. Grafik: Sulamith Sallmann

Geschichtscafé im Seminarraum Ramler Straße

Es ist erstaunlich, wie sich die große Verkehrsgeschichte im kleinen Brunnenviertel wiederspiegelt. Einer der ersten großen Bahnhöfe Deutschlands, die erste U-Bahn Deutschlands, schon früh eine Tankstelle, große Durchfahrtsstraße, … .

Anhand historischer Karten stellen wir die Entwicklung des Brunnenviertels vor.

Termin: 25. März, 14 Uhr, Seminarraum des Brunnenviertel e.V. in der Ramler Straße.